7. November 2009

J.Fischer zur Vertrauensfrage 2005

Hintergrund dieser Rede ist die von Kanzler a.D. Schröder am 01.07.2005 eingebrachte Vertrauensfrage, aufgrund einer eingeschränkten Handlungsfähigkeit der Regierung.
Während sich die Oppositionsparteien quasi in der besten Ausgangslage befinden, rücksichtslos auszuholen und die Regierung kleinzureden, entfaltet Aussenminister Fischer nochmal alle rhetorische Kampfkraft und dreht in seiner
-mit reichlich Seitenhieben und Sprachbildern versehenen- Rede die Situation so, als wäre die Opposition diejenige, die sich rechtfertigen müsste für ihre Anliegen.

(Danke an Leser Daniel Fitz für diesen Hinweis!)

7. August 2008

H. Schmidt: Laudatio auf Alice Schwarzer

Am 5. Mai wurde Alice Schwarzer in der Frankfurter Paulskirche der Ludwig-Börne-Preis verliehen.
Laudator war Harald Schmidt, der seine Rede in der FAZ den Titel “Warum ich in den Feminismus eingetreten bin” gab.
Von dieser sehr amüsanten und zuweilen feinsinnigen Rede gibt es derzeit leider nur drei Video-Schnippsel in schlechter Qualität (inkl. Werbeeinblendungen). Das Redemanuskript wurde in der FAZ abgedruckt.

Hier ist Teil 2 und hier Teil 3 der Rede.
Die beste Qualität der gesamten einstündigen Veranstaltung gibt es auf dieser Seite des HR.

28. Juli 2008

Ph. Scheidemann: Ausrufung der Republik 1918

Philipp Scheidemann ruft vom Balkon des Reichstags am 9. November 1918 die Republik aus.
Die genaue Beschreibung dieses historischen Tages ist hier gut beschrieben.
Scheidemann sagt in einer Nacherzählung, er sei zu diesen Schritt gedrängt worden und wiederholt in dieser Beschreibung des entscheidenen Moments seine Rede.
So ist das folgende Ton-Dokument (auf das Symbol klicken zum Anhören) auch “nur” eine Wiedergabe der Situation, wie sie Scheidemann selbst erlebte. Vermutlich ist die Rede selbst ohne Mikrofon auch nicht von vielen Demonstranten gehört worden. (Bild1, Bild 2)
Dennoch sind die letzten Zeilen, die letzten kurzen Sätze mit der Anapher “Das alte und morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue. Es lebe die deutsche Republik.” ein wirklicher Redeklassiker und ein Beispiel für einen kraftvollen Schluss.
Ph. Scheidemann

8. Juli 2008

Barack Obama: Yes we can.

Diese Rede vom 9. Januar 2008 in New Hampshire wird eingehen als die Rede, die die Windrichtung zugunsten Barack Obamas drehte. “Yes, we can.” Wiederholt wie ein Mantra wurde der Slogan “Yes we can.” die Melodie, die ihm den Sieg in den Vorwahlen einbrachte und ihn vielleicht sogar ins Weiße Haus tragen wird.
Es ist eine zunächst theoretische, ob wir irgendeinen Politiker hätten, der über solch ein besondere rhetorische Ausdruckskraft verfügt. Denn in seiner Rede klingt es ein gewaltiges Stück nach Martin Luther King und wir haben nicht die Tradition, solche Reden in Deutschland genießen zu können.
Zwei Dinge kopiert Obama bei Martin Luther King: Es ist nicht nur das Stilmittel der Anapher. Durch die Wiederkehr des Satzes “Yes, we can!” bekommt das Ganze einen predigtartigen Charakter, wie es auch King in “i have a dream” gemacht hat. – Nein, es ist auch das Kopfwackeln und die Betonung der Sätze, die an Martin Luther King erinnern.

Spontan gab es dann im Internet einen Rap-Song der Black Eyed Peas und der Schauspielerin Scarlett Johannsen, der den Slogan aufgriff. Hier wird deutlich, dass Obama durch seine Rede zu wirken wusste.

Danke an unseren Leser Nicolas Kern, der uns auf beide Links hingewiesen hat!

17. Juni 2008

Horst Köhler: 3. Berliner Rede

Köhler berliner rede 2008Leider ist noch kein vollständiges Video der dritten Berliner Rede von Horst Köhler veröffentlicht.
Auf Phönix findet man in der “Bibliothek” die 3. Berliner Rede von Horst Köhler.
In seiner Rede nutzt er als thematische Klammer die drei Buchstaben ABI.
Gemeint ist nicht nur das Kurzwort für’s Abitur, sondern auch die drei Begriffe Arbeit, Bildung, Integration. Zu Beginn seiner Rede sagt er:

Das Schuljahr geht zu Ende. Es kommen noch ein paar Klassenarbeiten (viel Glück dabei!); aber dann sind Sommerferien. Die Zeit der Abi-Feten hat begonnen, und auf manchem Auto heißt es stolz und fröhlich: “ABI 2008″.
Meine Damen und Herren, von heute an, wann immer Sie das Wort “ABI” hören oder lesen, denken Sie bitte nicht allein an Schulabschlüsse, denken Sie auch an drei Ziele für Deutschland: Arbeit, Bildung, Integration.

Köhler fängt also nicht mit einer Begrüßungsformel an, sondern steigt gleich mitten ins Thema ein.
Am Ende der Rede schließt er dann (mit einem kleinen Versprecher):

“Arbeit, Bildung, Integration – lassen Sie uns gemeinsam bestimmen, was dafür zu tun ist. Wenn wir darüber Klarheit erzielen und dann alle zum Gelingen beitragen, dann können wir wohlgemut sein.
Ich glaube, wir bekommen das alles hin.
Ach, und eins noch – bitte denken Sie von nun an immer daran: ‘ABI’ ist mehr als nur ein Schulabschluss.

Zu finden ist die dritte Berliner Rede (und alle vorherigen) auf der Seite des Bundespräsidenten.

25. März 2008

Hans-Diedrich Genscher: Prager Botschaft, 1989

Für manchen Reden braucht es keine langen Sätze. Manche Reden können nur einen Satz lang sein und doch die Welt bedeuten.
Bemerkenswert aus meiner Sicht ist die Ruhe, die immer noch in Genscher Stimme liegt.
Leider gibt es im Internet keine gute Filmquelle der Kurzrede von Genscher in der Prager Botschaft Ende September 1989. Das einzige Dokument ist dieses, das sehr kurz und ärgerlicherweise mit Musik unterlegt ist.

23. März 2008

Franz Josef Strauß: Staatsschulden (anschaulicher Vergleich)

Franz Josef Strauß erklärt im Bundestag sehr anschaulich die damalige Staatsverschuldung. Er liefert damit ein Musterbeispiel, wie große, abstrakte Zahlen greifbarer gemacht werden können.
In seinen Zahlenspielereien soll er sich am Ende um zwei Waggons verrechnet haben. Sei’s drum. Das Bild ist drastisch genug. Und ich will als junger Mensch lieber gar nicht wissen, wie die Zahlen heute aussehen.

17. Januar 2008

Astrid Lindgren: Rede zur Verleihung des Friedenspreises 1978

Astrid Lindgren hat 1978 eine sehr schöne Rede gehalten, die den Titel “Niemals Gewalt!” trägt. Es ist die mutige Rede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels.
Sie beschreibt, dass wir auf dem Weg zu einer friedlicheren Welt bei den Kindern beginnen müssen.

Ob ein Kind zu einem warmherzigen, offenen und vertrauensvollen Menschen mit Sinn für das Gemeinwohl heranwächst oder aber zu einem gefühlskalten, destruktiven, egoistischen Menschen, das entscheiden die, denen das Kind in dieser Welt anvertraut ist, je nachdem, ob sie ihm zeigen, was Liebe ist, oder aber dies nicht tun. (…)
Ein Kind, das von seinen Eltern liebevoll behandelt wird und das seine Eltern liebt, gewinnt dadurch ein liebevolles Verhältnis zu seiner Umwelt und bewahrt diese Grundeinstellung sein Leben lang.

Zunächst soll es Versuche gegeben haben, sie diese Rede nicht halten zu lassen. Als Astrid Lindgren dann damit drohte, der Preisverleihung fern zu bleiben, gestattet man ihr, die Rede zu halten.
Im Reden-Archiv der ZEIT findet man auch diese Rede aus dem Jahr 1978.

11. Januar 2008

Mathematik im Vortrag?

Es ist wirklich beeindruckend, was der “Mathemagier” Arthur Benjamin auf der TED-Konferenz vorführt. Zwei-, drei- und vierstellige Zahlen quadriert er im Kopf und schneller als vier Zuschauer es auf dem Taschenrechner tippen können. Anschließend errechnet er Wochentage aus dem 19. Jahrhundert und als Höhepunkt dann eine Live-Rechnung: Er quadriert eine fünfstellige Zahl im Kopf und spricht dabei seine Gedanken aus, d.h. das Publikum erhält einen Einblick in seine Methode. Das Ergebnis ist richtig und hat 10 Stellen…
Hier ist kurzweiliger Vortrag über Mathematik. ja, auch soetwas kann gelingen:

28. Juni 2007

Freie Rede im Bundestag

plenarsaalIn §33 der Geschäftsordnung des Bundestages steht: “Die Redner sprechen grundsätzlich in freiem Vortrag. Sie können hierbei Aufzeichnungen benutzen.”
Fakt ist hingegen, dass nur ein geringer Bruchteil wirklich frei spricht. Der überwiegende Teil der Politikerinnen und Politiker hält sich verkrampft am Pult am Manuskript fest und liest ab. Das ist so jammerschade, denn so verpufft fast die ganze Wirkung, die ein guter Redner entfalten kann!
1999 gab es eine Partei übergreifende Initiative, die die freie Rede im Bundestag stärken wollte. Das führte zu einem Antrag (”nur in der letzten Plenarwoche verbindlich frei zu sprechen”) und dann zu einer wirklich bemerkenswerten Debatte, in der alle Redner (übrigens bis auf den letzten Redner auch die Antrags-Gegner) frei sprachen und sich eine witzige Redeschlacht lieferten.

Dieses wundervolle Zeitdokument des Bundestages kann man hier lesen und alle Reden der Debatte dort in voller Länge anschauen.

Der Antrag wurde übrigens mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.

16. Juni 2007

Kodak – Winds of change

Ehe es wieder etwas seriöser zugeht, hier ein amüsantes Beispiel für Show und vor allem (Powerpoint-)Effekte.
Es handelt sich um einen Werbespot von Kodak, in der der Redner nach einem langsamen Beginn “voll aus sich rausgeht”…

29. Mai 2007

Dick Hardt: “Identity 2.0″

Dick Hardt spricht als Geschäftsführer seiner Firma sxip, die folgendes Problem lösen will:
Im Internet hat man als Nutzer unzählige Passwörter und Benutzernamen (was auf Dauer sehr anstrengend ist) und als Anbieter muss man ständig unsicher sein, ob der Nutzer der sich als Herr oder Frau XY ausgibt, auch wirklich diese Person ist.
Dick Hardt bietet mit seiner Firma ein Konzept an, dass wie ein elektronischer Personalausweis funktionieren soll, so dass die Anbieter sicher sein können, wen sie vor sich haben und die Nutzer nur eine Identität benötigen.
In seiner berühmten Präsentation aus dem Jahr 2005 stellt Hardt dieses Konzept vor und zeigt gleichzeitig, was man mit Powerpoint Überraschendes anstellen kann: Folientempo auf der Überholspur!
Diese Art der Präsentation eignet sich nicht für jedes Thema und der Redner (der seinen Text wie ein Schauspieler können muss) verschwindet dabei völlig hinter der Show. Dennoch: diese Rede wirklich bemerkenswert!
oscon_keynote_sm.mp4
(Danke an Martin Unverdorben für den Hinweis!)Medium:

27. Mai 2007

Christel Happach-Kasan: “Innovationen sind wie Äpfel”

happach.jpgAuch im Bundestag werden (leider zu selten!) gute Reden gehalten.
Einen besonders schönen Aspekt einer Rede haben wir bei Christel Happach-Kasan (FDP) gefunden.
Es gelingt ihr, mit dem mutigen Rede-Einstieg ihren gesamten Beitrag zu prägen. Ihre Argumentation in der Rede will die Chancen der Grünen Gentechnik aufzeigen und soll sich gegen die innovationsfeindlichen Kritiker wenden.
Hierfür wählt sie scheinbar einen Umweg, der mit der Pointe jedoch genau ins Herz ihrer Argumentation zielt.

1. Sie wählt einen bildhaften Einstieg und entscheidet sich beim Thema Grüne “Gentechnik”  für eine (angenehme und passende) Analogie: die Entdeckung des Buchdrucks 500 Jahre vor Gutenberg.
2. Gleichzeitig verhilft sie den Zuhörern zu ein oder zwei Aha-Erlebnissen, die im Gedächtnis bleiben.
So gelingt es Christel Happach-Kasan das Publikum angenehm zu prägen.

Hier geht es zum Video der Rede. (Die Reden des Bundestages sind nicht als Datei verfügbar, können aber mit dem (kostenlosen) Real Player angeschaut werden.)
Den Text zum Mitlesen erhalten Sie hier. (und auf der dritten Seite wird dann auch verraten, woher der Titel stammt.)

22. Mai 2007

Sir Ken Robinson: “Do schools kill creativity?”

Eine unserer Lieblingsreden. Sir Ken Robinson spricht auf der TED-Conference 2006 über Schule und Kreativität.
Sir Robinson versteht es auf exzellente Weise mit dem Publikum zu plaudern und vom ersten Satz an, eine vertraute Atmosphäre aufzubauen. Der Ton ist stets locker, es gibt viele Scherze und gute Pointen. Und doch schafft er es, immer wieder den Bogen zu seinem Thema zu spannen.

mehr über Sir Ken Robinson hier.

22. Mai 2007

Joe: ” I am Canadian”

Dieses Werbe-Video zeigt mehr eine Performance als eine Rede. Sie zeigt, wie man Powerpoint und Rede auf einandern abstimmen kann.
Der Spaß dauert nur 57sec. Wer sehen will, wie Format füllende Bilder eingesetzt werden: Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com